Windows Mobile ist unübersichtlich, unstabil, optisch veraltet, unlogisch aufgebaut und ohne Stylus nicht vernünftig zu bedienen.

Schon viel musste sich Microsoft über deren mobiles Betriebssystem für Smartphones und Pocket PCs anhören. Die Kritik vieler Nutzer ist bis heute gerechtfertigt.
Und auch in unseren Testberichten stellten wir fest, dass aufgrund der oben genannten Mängel die meist Top ausgestatteten Smartphones unnötig ausgebremst und die Bedienbarkeit erschwert wird.

Bereits im Februar diesen Jahres stellte der Redmonder Konzern das Update Windows Mobile 6.5 vor, mit dem das Unternehmen erstmals einen kompletten Neustart wagt – ohne dabei die bekannten Vorzüge, wie Synchronisierungen, Outlook und die Vielzahl der unterstützenden Drittanbieter außer Acht zu lassen.

Demnächst sollen nun endlich die passenden Geräte den Weg auf den deutschen Markt finden.
Namhafte Hersteller wie HTC, LG, Sony Ericsson, Samsung, Toshiba und der Notebookfabrikant Acer werden in den nächsten Wochen Geräte veröffentlichen, die allesamt die Bezeichnung Windows Phone tragen werden.

Windows Phone´s ist die neue Bezeichnung aller Smartphonetypen, die das Microsoft Betriebssystem für mobile Anwendungen nutzen.

My Phone und andere Neuerungen.

My Phone ist ein neuer Dienst des Softwaregiganten, der es Nutzern erlaubt, auf einen zentralen Server unterschiedlichste Daten von Kontakten bis hin zu Fotos und Videos abzusichern. Zur Anmeldung benötigt man lediglich eine Windows-Live-ID.

Nach Speichern der Daten können mehrere Geräte gleichzeitig – passender Zugang natürlich vorausgesetzt – die Daten abgreifen oder gleich komplett auf das Smartphone Synchronisieren.
Dies könnte vor allem im Geschäftsbereich von großem Vorteil sein, um beispielsweise Mitarbeiter in kurzer Zeit mit den selben Informationen auszustatten.

Auf der anderen Seite können diesen Service auch Privatleute wunderbar nutzen, die nach einer Komplettformatierung ihr Smartphone wieder mit den vorherigen Daten ausstatten möchten.
Dieser Dienst kann aber auch einfach als eine Art externer Speicher gesehen werden, da er  jederzeit den Datenaustausch von Server zu Mobilegerät erlaubt. Natürlich ist der verfügbare Speicher pro Nutzer beschränkt. Wie groß dieser allerdings sein wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

My Phone erinnert sehr stark an Apple´s Gegenstück MobileME. Microsoft versicherte im Gegenzug aber eine kostenlose Nutzung.

Gebührenpflichtig ist jedoch die Premiumversion. Damit können verlorene Geräte wieder lokalisiert und direkt von einem zentralen Rechner aus komplett gesperrt werden.
Auch selbst erstellte Texte lassen sich damit auf das Gerät übertragen. So kann der Fündige beispielsweise über den aktuellen Aufenthalt des Besitzers und dessen Rufnummer informiert werden.
Und für Leute, die gerne mal ihr Handy in den eigenen vier Wänden verlegen, können über My Phone ebenfalls einen Rufton starten, um dann einfach festzustellen, dass es mal wieder unter der Bettdecke oder einem Stapel Papier lag.

Bis zum 30. November 2009 ist die Nutzung dieser Funktion kostenlos und für die Versionen Windows Mobile 6.0,6.1 und 6.5 möglich. Danach wird die Nutzung auf den Käuferkreis beschränkt. Über den Preis ist allerdings noch nichts bekannt.

Auch diese Anwendung kennen MobileMe-Kunden bereits seit längerem.

Einen ähnliches Erfolgsmodell wie Apple´s App Store soll für Microsoft der Windows Marketplace for Mobile werden. Zum gestrigen Start des Downloadportals waren bereits 246 Programme verfügbar, darunter MySpace und Facebook.

Namhafte Titel wie Pac Man, Guitar Hero World Tour oder auch Sudoku fanden sich im Spielebereich.
Genau wie Apple übernimmt auch Windows für den Marketplace for Mobile die Kontrolle der Applikation und gibt nach Überprüfung die Freistellung in das Portal. Somit ist auch gewährleistet, dass ein Programm auf unterschiedlichen Windows Phones funktioniert.

Die größte und wahrscheinlich wichtigste Neuerung durchlebte der Internet Explorer Mobile. Webseiten werden in einer Vollbildansicht und ohne störende Ränder angezeigt, was lästiges Scrollen zu den Seitenrändern erspart. Flashinhalte werden ebenso komplett wiedergegeben.

Wesentliche Funktionen des Browsers stellt Windows Mobile in einer halb transparenten Ansicht am unteren Bildrand dar. Für eine vergrößerte Darstellung einzelner Seitenbereiche kommt ein stufenloser Zoom zum tragen.

In Windows 6.5 integrierte Microsoft erstmals einen Startbildschirm. Vorbei sind also die Zeiten, in denen der Bildschirm bei aktivierter Tastensperre einfach abgeschaltet wurde. Verpasste Anrufe und eingegangene Nachrichten werden neben der aktuellen Uhrzeit mit einem direkten Zugriff angezeigt.

Der zentrale Menüpunkt wurde nun ebenfalls mit fingerfreundlichen Icons bespickt. Verschiedene Anwendungen und Programme lassen sich so auf einen Blick ersehen und unkompliziert abrufen. Auch hier lässt sich die Anordnung frei festlegen.

Microsoft scheint in der vergangenen Zeit viel gelernt zu haben. Vor allem könnte Apples meilenweiter Vorsprung in Sachen Anwenderfreundlichkeit, Übersicht und den Erfolgsmodellen wie der App Store um einiges schrumpfen.
Auch wenn sich Microsoft sichtbar das erfolgreiche iPhone als Vorbild genommen hat, war die Modernisierung des, im Vergleich zu Apple veralteten Betriebssystems, nur eine Frage der Zeit. Wenn sich dann auch noch die Touchscreens der Geräte  nun endlich komplett ohne nervigen Stylus bedienen lassen, könnte der Konkurrenzkampf auf dem Smartphone-Markt deutlich mehr aufleben.

Wir halten Sie über die kommenden Windows Phones natürlich auf dem Laufenden.

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